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Aachener Friedenspreis 2012

Die Verleihung des Aachener Friedenspreis an borderline-europe am 1. September 2012

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The rescue

Am 20. Juni 2004 rettet die Besatzung der "Cap Anamur" im Seegebiet zwischen der lybischen Küste und der italienischen Insel Lampedusa 37 Männer von einem defekten Schlauchboot.

Sie waren nach eigenen Angaben seit drei Tagen unterwegs, die Trinkwasservorräte sind zur Neige gegangen, und eine Kammer verliert Luft. Anstelle einer Seekarte führen die Schiffbrüchigen einen handgeschriebenen Zettel mit sich, auf dem sie Gott um Beistand auf ihrer gefährlichen Reise bitten.
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Leben an Bord

Unmittelbar nach der Rettung beginnt die Suche nach einem sicheren Hafen, in dem die Schiffbrüchigen an Land gebracht werden sollen. Weil die "Cap Anamur" zu groß ist, um die Insel Lampedusa anlaufen zu können, zieht sich die Suche nach einer geeigneten Anlegestelle hin.

In dieser Zeit bemüht sich die Besatzung mit den 37 Passagieren einen geordneten Tagesablauf zu organisieren und Ängste abzubauen. Doch nachdem die italienische Regierung das Schiff 11 Tage lang am Einlaufen hindert, drohen mehrere Gerettete, sich das Leben zu nehmen.
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Seeblockade

Das Mittelmeer ist militärisches Sperrgebiet. Immer wieder wird auch die "Cap Anamur" von Aufklärungsflugzeugen überflogen oder von Kriegsschiffen umrundet.

Nachdem die italienischen Behörden am 1. Juli die bereits zuvor gegebene Genehmigung zum Einlaufen in Porto Empedocle wieder zurückgezogen haben, eskaliert die Situation: Eine ganze Flotte aus Marine-, Zoll-, Polizei- und Küstenwachschiffen blockiert uns vor der 12-Meilen-Grenze auf offener See.
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Besuch an Bord

11 Tage lang verweigern die italienischen Behörden der "Cap Anamur" ohne Begründung rechtswidrig die Einfahrt in den Hafen Porto Empedocle/Sizilien.

Während sich in Deutschland zunächst kaum jemand für die dramatische Situation interessiert, zeigen Menschenrechtler, Politiker, Gewerkschafter, Journalisten und die katholische Kirche in Italien Solidarität mit den 37 Geretteten auf dem deutschen Schiff. Immer mehr Besucher kommen vom Festland zu uns herausgefahren.
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Ankunft Porto Empedocle

Nachdem mehrere der Schiffbrüchigen mit Selbstmord drohen, erklärt Kapitän Stefan Schmidt den Notfall und verlangt am 11. Juli 2004 ultimativ die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen.

Noch einen weiteren Tag werden wir hingehalten, dann kann die "Cap Anamur" endlich anlegen. Eine humanitäre Lösung scheint gefunden. Doch entgegen ihren Zusagen nehmen die Behörden die 37 Geretteten in Abschiebehaft. Auch drei Mann der Besatzung werden wegen angeblicher "Schlepperei" ins Gefängnis gesteckt, das Schiff als "Tatwerkzeug" beschlagnahmt.
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Demonstrationen

Die italienische Zivilgesellschaft zeigt vom ersten Tag an, was sie vom brutalen Vorgehen der Behörden hält: Im ganzen Land regt sich Solidarität mit den Geretteten von der "Cap Anamur".

37 Städte Italiens bieten an, jeweils einen der Asylsuchenden aufzunehmen. Doch die Regierung in Rom ist fest entschlossen, ein Exempel zu statuieren. So werden schließlich 35 der Geretteten rechtswidrig abgeschoben, auch die UNO protestiert vergeblich.
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Das Schiff

Die "Cap Anamur" - ein umgebauter Frachter von knapp 100 Metern Länge - ist ein weltweit einmaliges privates Rettungsschiff. Die erste Reise führt Ende Februar 2004 nach Westafrika, wo Hilfsgüter für Sierra-Leone, Liberia und Angola angelandet werden.

Anschließend soll es durchs Mittelmeer Richtung Akkaba/Jordanien gehen. Doch Probleme mit der Maschine zwingen zum Stopp auf Malta. Bei einer Testfahrt am 20. Juni rettet die Besatzung 37 Schiffbrüchige. Nach der Beschlagnahme durch italienische Behörden liegt die "Cap Anamur" acht Monate an der Kette, ehe sie schließlich an eine norwegischen Reederei verkauft wird.

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Namenlose Tote

Niemand weiß genau, wieviele Menschen bei dem Versuch ums Leben kommen, "illegal" nach Europa zu gelangen. Keiner kennt ihre Namen. Die Toten, die regelmäßig an den Stränden Italiens, Spaniens oder Griechenlands angeschwemmt werden, finden in anonymen Gräbern ihre letzte Ruhe. Doch Tausende sterben zwischen den Wellen: Immer häufiger verfangen sich menschliche Überreste in den Netzen der Fischer.
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Mohammed Yussif: gerettet - abgeschoben - ertrunken

Mohammed Yussif war einer der 37 Geretteten von der "Cap Anamur". Im April 2006 starb er mit zwanzig weiteren Flüchtlingen bei einem erneuten Versuch nach Europa zu gelangen, als ihr Boot im Sturm vor Lampedusa kenterte.

Am 10. September 2006 wäre Muhammed Yussif 29 Jahre alt geworden.

Das Buch "Ende einer Rettungsfahrt" ist - stellvertretend für die vielen tausend Toten - seinem Andenken gewidmet.
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