24.06.2021

Brief aus dem Gefängnis: Zeigt den Menschen die uns lieben dass wir unschuldig sind!

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Dieser Brief wurde im Juni 2021 von Ali geschrieben, der in Italien zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er willkürlich und zu Unrecht wegen "Schmuggels" verhaftet wurde, nachdem er 2015 versucht hatte, Europa auf einem Holzboot zu erreichen (mehr über die Geschichte hier). Lies auch den Brief seines Mitangeklagten Muhanad.

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Liebe xx,

Ich bin Ali, wie geht es Dir? Wie geht es Deiner Familie? Ich hoffe es geht dir gut.

Ich habe deinen Brief am 16. Juni erhalten. Danke für diese Aufmerksamkeit, ich danke allen die gewillt sind und ihre Zeit denen widmen, die wirklich Hilfe benötigen.

Zu meinem Fall möchte ich gleich etwas wichtiges sagen: ich und meine Freunde sollten mit niemanden verglichen werden, denn wir haben kein Boot gesteuert. Ich habe hier so viele unschuldige Ausländer gesehen - Opfer einer falschen Justiz oder eines Mangels an Professionalität - um Ermittlung abzuschließen nehmen sie meistens die erste Person fest, die vorbeiläuft.

Wir wurden angeklagt und zu 30 Jahren verurteilt, nur weil wir Libyer sind. Die Polizei hat mich nicht weder mit dem Namen, der auf meinem Arm stand und auch nicht mit einem Foto ausgerufen. Sie haben mich nur gefragt, ob ich Libyer bin und ich habe "ja" gesagt. Sie haben mich mitgenommen, weil ich aus einem Land komme, in dem der Krieg regiert. Nur wegen einer Flasche Wasser, die ich nicht einmal überreicht habe, haben sie mich zu 30 Jahren verurteilt.

Liebe xx, du hast meine Zustimmung und maximale Verfügbarkeit, ich authorisiere dich über unseren Fall zu schreiben und zu sprechen und falls möglich unser Sprachrohr zu sein und die Wahrheit zu verbreiten, um uns von den vielen bösen Zungen zu verteidigen, da wir nicht die Möglichkeit haben, uns selbst zu verteidigen, und der ganzen Welt und den Menschen, die uns kennen und lieben zu zeigen, dass wir unschuldig sind.

Eine Studie hat vor kurzem gezeigt, dass der Großteil der italienischen Bevölkerung kein Vertrauen in das Justizsystem hat - und damit haben sie Recht. Ich würde wirklich gerne, eines Tages, falls möglich, den Richtern, die mich verurteilt haben begegnen, um zu verstehen warum und auf welcher Basis sie das getan haben. Die Ungerechtigkeit, der wir zum Opfer gefallen sind ist eine Schande, die nicht mit der Verurteilung aufhört, sondern auf die ganze Unfähigkeit der Richter zurückgeht. Nur einer von neun Zeugen hat mich beschuldigt! Ich habe keine großen Erwartungen in den Prozess, da die Ungerechtigkeit schon so lange andauert. Ein Richter wird nicht die Fehler seiner Kollegen zugeben und dafür das ganze Urteil neu aufrollen, vor allem nicht für ein paar Ausländer, nicht, dass ich nicht mehr hoffe, aber ich habe die Hoffnung nach dem 1 und dem 2 Urteil verloren und nach dem ich all die herausragende Arbeit meiner Anwältin gesehen habe. Wenn sie nur 10 Prozent von dem, was meine Anwältin an Beweisen gebracht haben, erwägt und geglaubt hätten, wäre ich freigesprochen worden. Aber wer weiß warum sie es nicht getan haben.

Ich bin nicht so gut mit Worten, aber ich hoffe dass wir uns eines Tages treffen können, um uns besser kennenzulernen. Ich gebe nicht auf oder schmeiße alles hin. Solange es meiner Familie gut geht, versuche ich positiv zu bleiben, aber wenn meiner Familie etwas zustoßen sollte, dann weiß ich nicht wie ich mich verhalten werde. Ich habe sehr viel Wut in mir, sie haben mich zerstört, aber ich will dich weiter belästigen. Wenn ihr mir sagt wo ihr über uns schreibt und damit in die Öffentlichkeit geht, dann kann ich meiner Psychologin und meinem Lehrer bescheid geben.

Ich erwarte ungeduldig deine Antwort, viele Grüße,

Ali.

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Freitag, 25. Juni 2021