"Proti Stassi" - Flüchtlingshilfe auf der Insel Lesbos

Während das Land am Rande des Staatsbankrotts dahinsegelt, spitzt sich die Lage für Flüchtlinge auf den Inseln der griechischen Ägäis immer mehr zu: für tausende Syrer, Afghanen und Andere, die von der türkischen Küste aus in kleinen Schlauchbooten Europa zu erreichen versuchen, ist die gefährliche Reise mit der Ankunft auf Lesbos, Chios, Kos oder Samos noch nicht beendet. Die staatlichen Stellen sind von den stark ansteigenden Flüchtlingszahlen komplett überfordert und internationale Hilfe ist kaum vorhanden. Vor allem auf Lesbos, der drittgrößten Insel Griechenlands, gleicht die Lage der Angekommenen einem Alptraum. Auf tage- und nächtelangen Fußmärschen ziehen die entkräfteten Männer, Frauen und Kinder auf den Landstraßen in Richtung auf die Inselhauptstadt Mytilini, weil privater Transport der Flüchtlinge bei hoher Strafe verboten ist und die beiden Polizeibusse der Insel bei weitem nicht ausreichen, um täglich mehrere hundert Menschen aus den Dörfern entlang der Ostküste abzuholen. Da Viele nach der Bootsfahrt ihre durchnässten Schuhe zurücklassen mussten, erreichen sie häufig mit schweren Fußverletzungen die überfüllten Lager der Hauptstadt.

Nach zwei Erkundungsreisen in den vergangenen Wochen haben wir uns entschlossen, ein eigenes, humanitäres Programm für den Norden der Insel zu starten. Ziel des Projekts "Proti Stassi" ("Erste Station") ist es, für die Flüchtlinge, die im Bereich der Stadt Molyvos die Küste erreichen, eine Erstversorgung zu gewährleisten und - nach Möglichkeit - für die geordnete Weiterreise zu sorgen. Damit sollen auch die privaten Unterstützer entlastet werden, die bisher aus eigenen Mitteln eine notdürftige Versorgung mit Essen und Trinken, sowie trockener Kleidung bereitgestellt haben.

Insel-Bürgermeister Spiros Galinos hat "Proti Stassi" seine volle Unterstützung zugesagt. Die Nutzung des - derzeit leerstehenden - Campingplatzes von Molyvos stösst allerdings noch auf den heftigen Widerstand der lokalen Bevölkerung, die befürchtet, in dem Touristenort könnte mitten in der Hauptsaison ein neues Flüchtlingslager entstehen. Trotz der Vorbehalte haben wir uns aufgrund der akuten Notsituation entschlossen, "Proti Stassi" anlaufen zu lassen.

Bereits Mitte Juli wird ein deutsch-griechischer Notfallmediziner als Projekt-Koordinator für uns die Arbeit auf Lesbos aufnehmen. Er wird den Gesundheitszustand der Ankommenden untersuchen und geeignete Therapie- und Hygienemaßnahmen einleiten. Außerdem wird er die Ankunft eines Freiwilligen-Teams vorbereiten, das Ende des Monats mit der Arbeit auf der Insel beginnen soll. Die Anschubfinanzierung für "Proti Stassi" haben die österreichische CARITAS und "SOS Kinderdorf" ermöglicht. Weitere Spenden sind nötig, damit Decken, Nahrungsmittel, Kleidung, Schuhe und Hygieneartikel beschafft werden können.

 

Hier geht es zum Blog. Dort werden wir über den aktuellen Stand und Fortschritt des Projekts berichten.

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