News
16.08.2016

Sea-Watch Newsletter August 2016

Vieles ist in den letzten Wochen passiert, worüber wir Euch in diesem Newsletter berichten wollen.
Teils sehr erschütternde, teils wütend machende Momente, die wir bei unseren Rettungseinsätzen erlebten und erleben. Bilder, die sich einbrennen und uns nicht loslassen. So auch die zahlreichen Schilderungen der Geretteten, wenn wir mit ihnen nach geglückter Bergung von ihrem Schicksalsweg quer durch Afrika und ihren erlebten Torturen zuletzt in Libyen erfahren.

Sea-Watch Newsletter  August 2016

 

++++Sea-Watch Film "Am Limit" 18.8. um 0:30Uhr auf RTL++++

+++Weitere Infos im Newsletter+++  

 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Liebe Unterstützer*innen und liebe Interessierte,

seid alle herzlich gegrüßt aus dem Sea-Watch-Team: von der Sea-Watch 2 im Mittelmeer, aus dem Basiscamp auf Malta, den zahlreichen Freiwilligen in Deutschland, England, den Niederlanden oder Italien sowie aus unserem Berliner Büro!

Vieles ist in den letzten Wochen passiert, worüber wir Euch in diesem Newsletter berichten wollen.

Teils sehr erschütternde, teils wütend machende Momente, die wir bei unseren Rettungseinsätzen erlebten und erleben. Bilder, die sich einbrennen und uns nicht loslassen. So auch die zahlreichen Schilderungen der Geretteten, wenn wir mit ihnen nach geglückter Bergung von ihrem Schicksalsweg quer durch Afrika und ihren erlebten Torturen zuletzt in Libyen erfahren.

Wir erleben gleichzeitig aber auch, wie Ihr interessiert und mit starker Anteilnahme unsere Einsätze begleitet. Zahlreiche Zuschriften und facebook-Posts zeigen uns: Wir sind da draußen nicht allein!  Sehr unterschiedlich auch manche Wege, die Ihr geht, um für uns Geld zu sammeln oder andere ideelle Unterstützungen zu geben. Eure vielen Spendensammel-Einsätze auf Festivals, bei politischen Treffen oder auf Sommerpartys irgendwo im Land. Oder “Ellis Island” - ein Film von JR-Artist mit Robert deNiro, Musik von Woodkid, eingespielt von Nils Frahm - letzterer, der mit den Erlösen des Filmmusik-Verkaufs Sea-Watch unterstützt. Oder die Eltern-Kind-Initiative “Die Bärenkinder e.V.” aus München, die sich mit dem Thema Flucht übers Meer auseinandergesetzt hat und uns einen sehr bunten, mutmachenden Brief geschrieben haben.

Es gäbe soviele Beispiele Eurer Hilfe für die Weiterführung unserer Seenotrettung… Unser ganzes Team dankt Euch für die konkrete Unterstützung, alle Begleitung und auch jedes mutige Wort gegen Flüchtlingshass, Ausgrenzung oder gegen die Ignoranz zur Tragödie auf dem Mittelmeer. Bleibt uns verbunden und begleitet uns weiter!

Es grüßt Euch alle sehr herzlich - im Namen des gesamten Sea-Watch-Teams

Euer Harald Höppner

Vereinsvorsitzender und Projektinitiator  https://c.emailsys.net/mailingassets/be08255c9cbf68d73761537a8dc157697a6bded9.jpg

 

Die Sea-Watch 2 auf Rettungsmission im zentralen Mittelmeer

Foto oben: Gerettete auf der Sea-Watch 2, während die Passagiere eines weiteren Bootes mit Sea-Watch Schwimmwesten versorgt sind - Einer von vielen Tagen im Rettungseinsatz auf der Sea-Watch 2.

 

Die Sea-Watch 2 auf Rettungsmission im zentralen Mittelmeer

1. Das Jahr 2016 ist bisher das tödlichste Jahr im Mittelmeer

Mit dem Stand vom 9.8.2016 sind bereits 3.177 Tote und Vermisste laut UNHCR im Mittelmeer zu beklagen. Im Jahr 2015 waren es insgesamt 3.711. Einen Tag vor dem Start der ersten Mission der Sea-Watch 2 im April, waren bereits mehrere Hundert Menschen bei einem Bootsunglück ums Leben gekommen - das Bild unseres Crewmitglieds Martin Kolek mit einem toten Baby im Arm ging Ende Mai um die Welt. Immer wieder sind unsere Crews seither mit der Situation konfrontiert worden, in der sie nach der Rettung von Menschen in Seenot auch Tote bergen mussten.

sea-watch.org/live-von-der-sea-watch-2-kapitaen-reinhard-zum-gestrigen-einsatz/

Das Grab des kleinen Jungen aus Somalia liegt in der Region Kalabrien in Süditalien, Martin hat es gesucht und gefunden. Die Ungewissheit, was mit den Toten passiert ist, hat ihn beschäftigt. Wir alle als Deutsche und Europäer*innen müssen uns fragen, warum wir diese Toten nach wie vor zulassen. Die Europäische Union nutzt das Mittelmeer als Burggraben, füllt ihn mit Leichen und glaubt, damit diejenigen abzuschrecken die eventuell nachkommen. Wir müssen uns fragen, welchen Wert Menschenrechte für uns haben, wenn sie lediglich in Kombination mit einem europäischen Pass gelten.

Unsere Schiffscrews werden sich weiter im Einsatzgebiet dafür einsetzen, so viele Tote wie möglich zu verhindern - als Zivilgesellschaft müssen wir aber gemeinsam den Druck erhöhen und endlich eine Lösung zu schaffen, die Menschen auf der Flurht vor Verfolgung, Krieg und Elend gar nicht erst auf die Boote zwingt. Gerade im Angesicht der beinahe täglichen Tragödien, die auch zivile wie militärische Rettungskräfte belasten, fordern wir gemeinsam mit einer umfassenden Seenotrettung auch eine #safepassage in Form legaler Einreisewege, humanitärer Visa etc.!

 

2. Die zivile Flotte: News aus den Einsätzen

Sea-Watch Einsatz Juli 2016

Sea-Watch Einsatz Juli 2016

Regelmäßig berichten wir von unseren Einsätzen auf unserer Homepage und in den sozialen Medien. Im Rückblick auf die letzten Wochen stellen wir fest, dass in Verbindung mit den gestiegenen Zahlen von geflüchteten Menschen auf dem Mittelmeer auch die Frequenz unserer Einsätze wächst. Sea-Watch versorgte teilweise über 10 Boote an einem Tag und nimmt regelmäßig Menschen an Bord, immer wieder auch Schwerverletzte, bei deren Versorgung durch unsere medizinische Crew sich unser medizinischer Versorgungsraum sehr bewährt.

Auch von den Militärschiffen im Einsatzgebiet wurde immer wieder medizinische Unterstützung durch die Ärzt*innen der Sea-Watch angefordert. Insgesamt konnte teilweise mehreren Tausend Menschen in nur einer Woche geholfen werden.

sea-watch.org/sea-watch-2-%c2%b7-crew-6-resuemee/

Besonders erfreulich ist vor diesem Hintergrund, dass die zivile Rettungsflotte wächst. In diesem Jahr sind mehrere Schiffe ziviler Organisationen im Mittelmeer mit dem Ziel Seenotrettung unterwegs. Sea-Watch hat einige von ihnen inspiriert und von Anfang an auch logistisch unterstützt. Unser aller Arbeit ist wichtig, denn nach wie vor ertrinken viele Menschen bei der Überquerung der See, weil niemand in der Nähe ist, um zu helfen. Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Organisationen funktioniert sehr gut.

sea-watch.org/live-von-der-sea-watch-2-ein-tag-voller-superlativen/

Dennoch können wir nicht die Lücken politischen Versagens füllen. Unser Schiff Sea-Watch 2 hat sich bis jetzt sehr gut bewährt. Wir sind froh, dass wir nach unserem ersten Einsatzjahr ein größeres und besser ausgestattetes Schiff erworben und umgebaut haben, um es für die Rettungsmission zu nutzen. Das war uns nur mit der Hilfe Eurer zahlreicher Spenden möglich!

Mit den Kapazitäten unserer Sea-Watch 2 und unserer hochengagierten und mittlerweile einsatzerfahrenen und professionellen Crews können wir nun den Anforderungen an Leistung, Größe und Equipment viel besser gerecht werden. Gleichermaßen sind die laufenden Kosten für den Einsatz sehr hoch. Deshalb bedarf es Eurer Unterstützung. Wir möchten unsere Mission dieses Jahr so lange und so gut wie möglich ausgestattet führen können, um Menschenleben zu retten, wo Europa versagt.

 

Bitte spendet für unsere Rettungsmission!

 

3. Unser erster Jahresbericht 2015-2016 ist erschienen!

https://c.emailsys.net/mailingassets/13bc3c3ce4ee388672dfcb944a811cc182ed7ad7.jpg

Als private Initiative gestartet, um weiteres Sterben von Menschen auf der Flucht im Mittelmeer zu  verhindern, ist Sea-Watch e.V. nunmehr eine erfolgreiche Organisation in der zivilen Seenotrettung. Unsere Geschichte, Ziele und Missionen vom 19.5.2015 bis 18.5.2016 könnt ihr hier erstmals kompakt und übersichtlich nachlesen und downloaden unter:

http://sea-watch.org/jahresbericht-2015-2016-erschienen/

 

4. "Am Limit": TV-Premiere des neuen Sea-Watch Films von Andres Kuno Richter und Christian Büttner

Für all diejenigen, die sich ein besseres Bild von unserer Rettungsmission machen möchten, empfehlen wir unbedingt, lange aufzubleiben und in der Nacht von Mittwoch 17.08. zu Donnerstag 18.08. um 0:30 Uhr auf RTL die Erstausstrahlung von „Am Limit“ anzusehen. Kuno und Christian haben den Einsatz als Crewmitglieder der Sea-Watch 2 im Mai 2016 aus nächster Nähe erlebt und einen beeindruckenden Film geschaffen.

www.eikon-nord.de/produktion/am-limit-zeugen-der-katastrophe-im-mittelme...

https://c.emailsys.net/mailingassets/85dbc3b3ffc256bcc318b6d77390544f96374ac0.png

Foto oben: Preisverleihung CSD 2016: Axel Grafmanns, Dr. Claudia Krüger und Lukas Weinspach (v.l.n.r.) Foto: Berlin CSD

5. Verleihung des diesjährigen „Soul of Stonewall Sonderpreis“ auf dem Berliner Christopher Street Day an Sea-Watch e.V.

Der Berliner CSD e.V. verlieh Sea-Watch am 23.07.2016 diesen Preis "für ihre Arbeit, für ihre Leidenschaft und auch ihre Unerbittlichkeit über die Grenzen Deutschlands hinweg. Die Art wie Sea-Watch private Menschen zu Lebensretter*innen macht, beeindruckt und inspiriert und ist leuchtendes Beispiel dafür, was eine Gruppe von Menschen bewirken kann, wenn sie nur einer Idee folgt und den Mut beweist sie umzusetzen. Denn ein einziges gerettetes Leben, kann hunderte Andere sichern. Die Crew der Sea-Watch rettet Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung. Für diese reine Sicht des Menschlichen und das Engagement privater Menschen, das seines gleichen sucht, zeichnet der Berliner CSD e.V. den Verein mit dem Soul of Stonewall Award aus."

Die Laudatio wurde von Dr. Claudia Krüger gehalten, langjähriges Mitglied des Tuntentrash Ensembles "Die bösen Tanten". Den Preis nahmen Aktivist Lukas Weinspach und Geschäftsführer Axel Grafmanns auf der Hauptbühne am Brandenburger Tor entgegen.

csd-berlin.de/csd-finale-2016/

6. Sea-Watch Luftaufklärung

In unserem letzten Newsletter hatten wir bereits vom Start unseres neuen Projekts Sea-Watch Air berichtet. Durch Luftüberwachung des gesamten SAR Gebietes wollen wir sicherstellen, dass keine Boote mehr unentdeckt bleiben. Nachdem wir zunächst eine Genehmigung für den Ein- und Ausflug in Tunesien bekommen hatten, wurde unser Flugzeug zur geplanten Basis auf Djerba überführt. Das Konzept funktioniert: Gleich beim ersten Probeflug von Lampedusa aus konnten Boote in Seenot entdeckt und Rettung eingeleitet werden. sea-watch.org/erster-testflug-der-sea-watch-air-wird-zum-erfolg/

Leider fehlt uns noch immer die Flug-Genehmigung der tunesischen Behörden. Ein dortiger Start ist mit unserer Maschine wegen der geringen Entfernung und Verweildauer über dem Einsatzgebiet die optimale Lösung. Lampedusa hingegen ist aufgrund des langen Anfluges aus Sicherheitsgründen keine dauerhafte Alternative. Es ist ärgerlich, dass Bürokratie hier der effizienten Seenotrettung im Weg steht.

Wir arbeiten jedoch mit Hochdruck an Alternativlösungen. Bereits in der nächsten Woche finden deshalb in Kooperation mit der Schweizer Humanitarian Pilots Initiative (HPI) erste Testflüge mit einer größeren, zweimotorigen Maschine von Malta aus statt.

Lesbos Mission

Lesbos Mission

Foto oben: Sea-Watch Rettungsmission in der Ägäis

7. Folgen der Entwicklungen in der Türkei

Der EU-Türkei-Deal steht aus verschiedenen Gründen nicht zuletzt auch durch die Folgen des niedergeschlagenen Militärputsches in der Türkei auf der Kippe. Gedacht als Flüchtlingsabwehrmaßnahme trotz aller Kritik von Menschenrechts- und flüchtlingspolitischen Organisationen ist er Spielball verschiedener Interessen und politischer Kalküle. Ausgefochten wird dieser Kampf auf dem Rücken der Flüchtenden. Siehe dazu folgende Informationen von PRO ASYL unter: www.proasyl.de/thema/eu-tuerkei-deal/material/

Wir haben unsere Lesbos-Mission nach dem Inkrafttreten des Deals in den Standby-Modus versetzt und verfolgen die Lage in der Ägäis genau. Besonders der Oktober mit einer von Erdogan gesetzten Frist für weitere Zugeständnisse könnte hier entscheidend sein. Wenn Menschen in großer Zahl wieder in Boote steigen und in Gefahr geraten, in der Ägäis zu ertrinken, weil sie vor Krieg und Verfolgung fliehen, dann werden wir wieder da sein.

 

8. Weitere Informationen

Ärzte ohne Grenzen (MSF) haben einen Bericht zu katastrophalen Lage von Flüchtlingen in Libyen veröffentlicht

„Trapped in Transit - Refugees, migrants and asylum seekers locked up in Libya“ beruht vor allem auf Zeug*innenaussagen Geflüchteter, die von MSF auf dem Mittelmeer seit Beginn ihrer Rettungsmission 2015 aufgenommen wurden. Die meisten Menschen waren von Libyen aus gestartet und berichteten, dass die Gewalt und Ausbeutung von Refugees und Migrant*innen im alarmierenden Ausmaß zugenommen hat. Viele waren selbst Zeug*innen physischer Attacken, sexualisierter Gewalt, illegaler Inhaftierung, Folter und Mord an Geflüchteten. Diese Entwicklung bestätigen auch Aussagen von Geflüchteten, die wir nach deren Rettung auf unserem Schiff hören. Der Bericht von MSF  ist unter folgendem Link nachzulesen: msf.exposure.co/trapped-in-transit

Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung der EU nicht nachvollziehbar, mit der jungen libyschen Einheitsregierung Flüchtlingsdeals zu planen und Kooperationen über Weiterbildungen der libyschen Küstenwache zu vereinbaren. Der fehlende Schutz von Flüchtlingen steht außer Fokus, obwohl das Land unter dem Zeichen eines Bürgerkriegs steht. Es ist zu befürchten, dass damit die Diskriminierung und Gewalt gegen Flüchtlinge und Migranten in Libyen nicht nur ignoriert, sondern die staatliche Politik durch die Europäische Union Bestätigung und Unterstützung erfährt und nicht-staatliche Akteure, Milizen sowie andere bewaffnete Gruppen ungehindert weiterhin brutal agieren können. Statt den Zugang zu Asyl und Sicherheit zu gewähren, wird an der Vorverlagerung der europäischen Außengrenzen und Flüchtlingsabwehr gearbeitet. Frei nach dem Motto: “Was wir in Europa nicht sehen, das gibt es nicht.” Siehe dazu auch folgende Berichterstattung:

www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/schmutzige-deals-100.html

 

Wir werden diese Entwicklungen kritisch beobachten und weiterhin unsere Mission verfolgen: Seenotrettung und die Forderung nach sicheren, legalen Fluchtwegen.

Unsere Forderung bleibt: #safepassage!

 

Danke, dass Ihr bis hierher reingeschaut und gelesen habt. Denkt - wie schon gesagt - an den Termin zum Film “Am Limit” und vor allem: Bleibt uns verbunden!

 

Es grüßt Dich/Euch das ganze Sea-Watch-Team!

 

 

 

 

Facebook            Twitter YouTube

Sea-Watch I Das 1. Privatschiff zur Flüchtlings-Ersthilfe im Mittelmeer aus Deutschland

Rechtsträger: Verein Sea-Watch e.V., c/o dka-Anwälte, Immanuelkirchstraße 3 - 4, 10405 Berlin,

Sea-Watch e.V. ist gemeinnützig anerkannt und stellt Spendenquittungen aus. Weitere Infos!

Vereinsregister Amtsgericht Berlin-Charlottenburg VR 34179 B

http://sea-watch.org/ I www.facebook.com/seawatchprojekt

www.twitter.com/seawatchcrew I www.youtube.com/c/seawatchinternational

 

Hier findet ihr einen vereinfachter Spendennachweis für Eure Spenden zur

Vorlage beim Finanzamt. (gültig bei Spenden bis einschließlich 200,00 EUR).

Ansonsten bitten wir für Quittungen zu Spenden (über 200,00 EUR) um Geduld.

Wir sind hier ehrenamtlich dabei und kämpfen uns vorwärts! Lieben Dank!!!

 

 


Sprache(n): Deutsch / German